Vermietungsreglement

 

Um in einer Kraftwerk1 Siedlung zu wohnen oder zu arbeiten, müssen Personen über 18 Jahren im Regelfall Mitglied der Genossenschaft sein. Wie sie Mitglied werden erfahren Sie hier.

Reglement für die Vermietung von Wohnräumen

Das vorliegende Reglement dient der Transparenz bezüglich der Vermietungskriterien und konkretisiert die Vermietungsgrundsätze aus der Charta und den Statuten der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1. Diese Grundsätze umfassen insbesondere:

- Die Weltverträglichkeit durch bewussten Ressourcenverbrauch: "Wohnraum und Zahl der Benutzer_innen sollen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen." (Art. 5 Statuten) "Kraftwerk1 ermöglicht durch organisatorische, bauliche und technische Massnahmen nachhaltige Lebensweisen." (Charta)

- Bleiberecht: "Kraftwerk1 bemüht sich, ein lebenslanges Wohnrecht in Kraftwerk1 zu garantieren." (Charta)

- Sozialer Anspruch: "Die Genossenschaft bezweckt in gemeinsamer Selbsthilfe, ihren Mitgliedern preisgünstigen Raum für Wohnen, Arbeiten und öffentliche Nutzungen zu verschaffen." (Art. 3 Statuten)

1. Allgemeine Rahmenbedingungen und Anforderungen

1.1 Die Rahmenbedingungen für dieses Reglement sind mit dem Mietrecht, dem Genossenschaftsrecht, den Kraftwerk1-Statuten sowie der Kraftwerk1-Charta gemäss den jeweils geltenden Fassungen gegeben. Für Bewerber_innen sowie für Mieter_innen sind auch die Beschlüsse der Generalversammlung und des Vorstandes, alle Reglemente sowie dieses Reglement für die Vermietung von Wohnräumen bindend. Ferner gelten die Regelungen und Beschlüsse der Kraftwerk1-Bewohner_innenversammlung. Für öffentlich subventionierte Wohnungen gelten zusätzlich die Anforderungen der jeweiligen Subventionsgeber_innen.

1.2 Die Geschäftsstelle informiert Bewerber_innen für ein Mietobjekt vor Unterzeichnung des Mietvertrages über die Bestimmungen der Statuten, der Charta, dieses Vermietungsreglementes und weiterer Reglemente. Im weiteren werden zukünftige Mieter_innen über die Bedeutung der Bewohner_innen-Organisationen sowie über deren Rechte und Pflichten orientiert.

1.3 Der Abschluss eines Mietvertrages setzt die Mitgliedschaft bzw. den Beitritt zur Genossenschaft voraus.

2. Kriterien für die Vermietung von Wohnräumen

Bei der Vermietung von Wohnungen orientiert sich das Entscheidungsgremium insbesonders an folgenden Kriterien:

-Dringlichkeit des Wohnungswechsels aus finanziellen, gesundheitlichen oder sozialen Gründen

-Integration in Strukturen, Engagement für Kraftwerk1

-Förderung von neuen Wohnformen, zum Beispiel Suiten

-Soziale Durchmischung

-Dauer der Mitgliedschaft in der Genossenschaft

-Mindestbelegung der Wohnung

-Einbezug der Nachbarschaft und nachbarschaftliche Verträglichkeit

-finanzielle Verhältnisse

-Bleiberecht in der Genossenschaft (gilt nur beschränkt für befristete Untermieter_innen)

Der Grundsatz der Mindestbelegung ist gleichzustellen mit den Grundsätzen der Vielfalt, der Suitenbildung, der Flexibilität und Subsidiarität und des lebenslangen Wohnrechts.

3. Mindestbelegung

3.1. Um die Mindestbelegung des genossenschaftlichen Wohnraums zu gewährleisen, wird die Mindestanzahl der wohnenden Personen für die Wohnungstypen festgelegt. Diese Mindestbelegung gilt auch für die "Suiten" bzw. für die Kraftwerk1-Grosshaushalte.

1 bis 2 Zimmer-Wohnung: mindestens 1 Person

3 bis 4.5 Zimmer-Wohnung: mindestens 2 Personen

5 und 5,5 Zimmer-Wohnung: mindestens 3 Personen

6 bis 7 Zimmer-Wohnung: mindestens 4 Personen

8 und 9 Zimmer-Wohnung (mindestens 9 abgeschlossene Zimmer): 6 Personen

10 bis 12 Zimmer (mindestens 9 abgeschlossene Zimmer): 7 Personen

13 Zimmer (mindestens 11 abgeschlossene Zimmer): 8 Personen

"Suite" 56/41 (15 abgeschlossene Zimmer): 11 Personen

Ausnahmen wegen architektonischen Vorgaben wie z.B. kleine Zimmer oder Durchgangszimmer können vom Vorstand erlassen werden. Die Mindestbelegung in den Cluster-Wohngemeinschaften wird nach der Anzahl ihrer Untereinheiten festgelegt.

3.2 Die Mindestbelegung muss zum Zeitpunkt des Mietantritt erfüllt sein und wird im Mietvertrag festgehalten.

3.3 Für die Mindestbelegung zählen nur jene Personen, die die Wohnung dauernd und als festen Wohnsitz bewohnen.

3.4 Ist die im Mietvertrag vereinbarte Mindestbelegung nicht mehr erfüllt, ist die Mieter_in verpflichtet, dies der Geschäftsstelle innert Monatsfrist mitzuteilen. Wird diese Mitteilung unterlassen, kann nachdem die Unterbelegung festgestellt wurde, die Geschäftsstelle das Mietverhältnis auf den nächsten ordentlichen Kündigungstermin kündigen und der Vorstand das Mitglied aus der Genossenschaft ausschliessen. Bei Wohngemeinschaften und "Suiten" muss die Unterbelegung der Wohnungen innerhalb von sechs Monaten aufgehoben werden. Die Frist läuft vom Zeitpunkt der Unterbelegung an. In neuen Mietverträgen wird die Wohnform - Wohn-gemeinschaft oder "Suite" -festgehalten.

Bei den übrigen Wohnformen gilt eine Frist von drei Jahren. Sie beginnt vom Zeitpunkt der Unterbelegung. Wird die Unterbelegung durch den Einzug eines oder mehrerer Mieter_innen aufgehoben, so gilt die dreijährige Frist als unterbrochen. Falls es erneut zu einer Unterbelegung kommt, wird die angefangene Frist fortgesetzt. Die Geschäftsstelle kündigt das Mietverhältnis und der Vorstand schliesst das Mitglied aus der Genossenschaft aus, wenn

-eine Wohnung nach Ablauf der entsprechenden Frist noch unterbelegt ist, oder wenn

-die/der Mieter_in trotz Unterbelegung den Umzug in eine andere Wohnung in der entsprechenden Frist zweimal abgelehnt hat.

3.5 Erwerbsarbeit in Wohnungen: Von der Mindestbelegung kann dann abgesehen werden, wenn der Vorstand bei Vertragsabschluss der teilweisen Nutzung des Wohnraums zur Erwerbsarbeit zustimmt. Für die Nutzungsänderung bei bestehenden Mietverhältnissen sind das Einverständnis des Vorstandes und eine Vertragsänderung erforderlich. Die/der Bewerber_in hat die Erwerbsarbeit mit einer Steuererklärung oder vergleichbaren Nachweis zu belegen.

3.6 Werden die Belegungsbedingungen durch falsche Angaben umgangen, kann die Geschäftsstelle die Kündigung auf den nächsten ordentlichen Kündigungstermin aussprechen und der Vorstand das Mitglied aus der Genossenschaft ausschliessen.

3.7 Für Erstmieter_innen der Siedlung Kraftwerk1 gilt als Mindestbelegung die Anzahl der Bewohner_innen beim Einzug im Jahr 2001, wenn diese tiefer liegt als die festgelegte Mindestbelegung. Im Gespräch werden mögliche Wohnungswechsel und andere geeignete Massnahmen zur Optimierung der Wohnungsbelegung gesucht.

4. Untermiete

4.1 Die Untervermietung von Wohnraum ist unter Vorbehalt von Art. 4.3 im Rahmen der Vorschriften des Mietrechts (Art. 262 OOR), der Statuten und der Charta möglich. Die Bedingungen des Hauptmietverhältnisses müssen eingehalten werden. Vor Abschluss des Untermietvertrages sind die Mieter_innen dazu verpflichtet, die Bedingungen des Untermietverhältnisses dem Vorstand zur Genehmigung vorzulegen.

4.2 Unbefristete Untermiete: Wohnen ein oder mehrere Hauptmieter_innen in der Wohnung fest und dauernd, so ist eine unbefristete Untermiete unter Einhaltung der Bedingungen in Art 4.1 möglich.

4.3 Befristete Untermiete: Bei einer längeren Abwesenheit der/s Hauptmieter_in ist eine Untermiete bis zu einem Jahr möglich. Nach Ablauf dieses Jahres muss die Wohnung wieder von der / dem Hauptmieter_in dauernd bewohnt oder sonst gekündigt werden. Unterlässt die/der Mieter_in die Kündigung, kann die Geschäftsstelle das Meitverhältnis ausserordentlich kündigen oder Vorstand das Mitglied aus der Genossenschaft ausschliessen.

4.4 Bewerbungen von Untermieter_innen: Die Untermieter_innen einer gekündigten Wohnung können sich, sofern sie Genossenschafter_innen sind, gleichzeitig mit anderen Genossenschafter_innen für diese Wohnung bewerben.

4.5 Wohnungstausch: Damit alle potentiellen Bewerber_innen für eine Wohnung gleiche Chancen haben, sind der Wohnungstausch und der Abschluss von gegenseitigen Untermietverhältnissen ausgeschlossen. Über den Tausch von Wohnungen entscheidet das Entscheidungsgremium unter Berücksichtigung der Kriterien gemäss Artikel 2.

5. Mitsprache bei Vermietung benachbarter Wohnungen

Die Mieter_innen haben bei der Neuvermietung benachbarter Wohnungen ein Vorschlagsrecht. Für diese Vorschläge bzw. Berwerber_innen gelten die gleichen Kriterien und Anforderungen wie für andere Bewerber_innen.

6. Ausschreibungsverfahren

6.1 Das Ausschreibungsverfahren für frei werdende Wohnungen wird vom Vorstand in eigener Kompetenz festgelegt.

7. Entscheidungsgremium

7.1 Wohnungen werden durch ein Entscheidungsgremium vermietet. Dieses Gremium besteht aus einer Person aus der Geschäftsstelle und zwei Personen aus der Bewohner_innen-Organisation der Siedlung, in der die Wohnung zu vermieten ist. Die Bewohner_innen Organisation der jeweiligen Siedlung der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1 delegiert die Personen, welche sie im Entscheidungsgremium vertreten soll. Das Entscheidungsgremium arbeitet nach Massgabe dieses Reglements und den Vorgaben des Vorstandes.

7.2 In Fällen, die durch dieses Reglement nicht erfasst werden, und in Härtefällen entscheidet der Vorstand.

8. Inkraftsetzung

8.1. Dieses Vermietungsreglement ist ab dem 10. November 2012 gültig. Es ersetzt das Vermietungsreglement vom 4. November 2010.